Doch wieso? Es lief doch alles so, wie ich es mir immer erträumt hatte. Was das wirkliche Problem war?
Gehen wir zurück zu unseren zwei Wahrheiten:
Die erste: Höher, schneller, weiter. Im Online-Marketing ist es so: Löst Du einen Engpass, entsteht automatisch der nächste. Tust Du das immer wieder, bist Du in einer Aufwärtsspirale. Andere nennen es Skalierung.
Die zweite kam aus der Persönlichkeitsentwicklung: Kreiere Räume, die größer sind als Du selbst. Dinge tun und entscheiden, in die Du erst hineinwachsen musst.
Beide Wahrheiten brannten sich über die Jahre ein. Und verselbstständigten sich.
Wir gewannen mehr und mehr Kunden über unsere Webinare. Das Geld reinvestierten wir in mehr Reichweite. Der klassische Online-Marketing-Weg. Dann folgten die ersten Mitarbeiter.
Oh, Mitarbeiter brauchen ein Büro, denn das macht man ja so. Also Königsallee in Düsseldorf. Mit zu vielen Plätzen. Extra. Das Vakuum wird sich schon füllen.
Das tat es. Über zehn Mitarbeiter plus Freelancer drumherum.
Warum so viele? Weil Reichweite teurer und teurer wurde. Die Lead-Preise stiegen, also mussten unsere Preise steigen, also brauchten wir Vertriebsmitarbeiter, also brauchten wir noch mehr Reichweite, um sie zu versorgen. Eine toxische Beziehung zwischen Marketing und Vertrieb.
Plötzlich standen wir bei einem sechsstelligen Kostenblock. Pro Monat. Nur damit das Rad weiterläuft.
Wir machten Umsätze, von denen wir Jahre vorher nur geträumt hatten. Und gleichzeitig war der Druck, dieses Level zu halten, enorm.
Was Unternehmertum mit zehn Mitarbeitern wirklich bedeutet?
Wird jemand krank, springst Du ein.
Performt jemand nicht, übernimmst Du.
Musst Du durchziehen, wenn unzählige Menschen auf Dich zählen und es Dir nicht gut geht? Ja.
Denn das ist Unternehmertum. Das ist Verantwortung. Kurzfristig die eigenen Bedürfnisse zurückzustellen im Business, macht Dich erfolgreich. Langfristig macht es krank.
Ich erinnere mich an einen verregneten Vormittag. Stundenlange Calls über Bürokratie. Private Sorgen. Und meine Agentur schickte neue Skripte, die ich dringend abdrehen musste.
Ich: fix und fertig. Raffte mich auf. Verweinte Augen weg, roter Lippenstift drauf, Stativ aufgebaut.
Ich las die ersten Sätze in die Kamera. Und es brach aus mir heraus. Ich weinte, ich schrie, ich haute das Stativ um und dachte nur: Wenn ich noch ein einziges Skript lesen und dabei lächeln muss, kotze ich. Ich blickte auf das Stativ und fragte mich: Lea, was ist los mit Dir? Ich war nur noch ein Schatten meiner selbst.